...auf den Hund gekommen
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Nicht weniger als 87 Hunde an allen 210 Tagen

11.11.2008 von Anne-Kathrin Merz (5 Kommentare)

Heute waren wir mal wieder zu viert (samt Kira und "Kira-menschlichem-Anhang") beim Abbachhof unterwegs. Bei der Gelegenheit eine Begegnung, die uns fast die Zornesröte ins Gesicht getrieben hat.

Es sei unverantwortlich, was wir da machen würden, erklärte uns ein Biobauer, der uns unterwegs begegnete und wir sollten die Hunde demnächst an die Leine tun. Eigentlich schrie er fast ein wenig von seinem Traktor herunter - und freundlich ist auch etwas anderes. Wir waren gerade in der Nähe eines Hofes, Hunde an der Leine, vorher aber waren die beiden frei gelaufen.
"Wieso?", fragten wir völlig ahnungslos, auch ein bisschen verwundert, die Gegend ist mehr oder weniger unbewohnt, kilometerweit freie Wiesen und Felder, ein bisschen Wald, also ein Paradies für Hunderunden, nochdazu bei Sonnenschein. - ...wohl aber dann doch ahnend, was da kommen würde.

Also, erklärte er uns. Solche großen Hunde würden wildern. Das wisse man doch! Ich versuchte noch, dem etwas zu entgegnen, beispielsweise, was ihn das anginge und dass mein Hund kein Jagdhund ist sondern ein Hütehund. Aber gut, groß ist groß. Und er kenne sich aus mit Hunden. Schließlich habe er auch einen. Was für einen, wissen wir nicht.
"Und was noch?", bohrten wir weiter - schließlich lasse ich mich gerne etwas gelungener überzeugen und war gespannt, was noch kommen würde.
Alle Hunde kacken auf seine Felder, meint er. Wir hätten gerne Bioprodukte und würden seine Futterpflanzen konterminieren mit Parasiten, Bandwurm und sonstigem. Davon würden seine Tiere sterben.
Ich geb zu, es hat mich etwas betreten gemacht für den Moment und ich stellte mir vor, wie die Kühe wie Dominosteine im Stall zur Seite kippen - Exitus.
Gut, sagten wir, sei zur Kenntnis genommen und suchten das Weite. Wir hatten keine Lust auf Diskussion.


Die hatten wir aber dann - eine heftige Diskussion. Wir waren beide auf mindestens 180.
Wir überlegten, mit welch übelriechendem Zeug er wohl seine Felder bearbeitet und was mit den weidenden Schafen sei. Sind das keine Krankheitsüberträger? Sofort war klar: erst wird recherchiert und dann schreib ich dazu hier was.
Und das tue ich jetzt.

Sucht man bei Google nach Hundekot Feld und Kuh, dann stößt man sofort auf Seiten von Landwirten und Interessensverbänden, die erzählen, dass es bei Befall von Kühen mit Hundebandwurm zu Fehlgeburten kommen kann.
Man findet dann allerdings auch alle möglichen weiterführenden Informationen von Tierärzten, denen ich - ich gebe es zu, an dieser Stelle mehr Kompetenz zuspreche als einem Landwirt:

Zunächst gilt, dass Kühe anscheinend keine Lust auf den Geschmack von Hundescheiße haben. Das ist schön und damit entgehen sie ja dann auch jeder Gefahr, bei der Gelegenheit einen Hundebandwurm zu erwischen. Es handelt sich konkret um Neospora caninum. Auch wenn dieses Getier mit die häufigste Ursache für Fehlgeburten bei der Kuh ist, so liest man hier beispielsweise von einem Tierarzt, der deutlich darauf hin weist, dass
dieser Erreger selten von Hunden übertragen wird, [...] (weil) heutzutage viele Hunde Industriefutter fressen und der Parasit nur über rohes Fleisch übertragen werden kann.
Also gut. Das heißt Achtung und Vorsicht für alle gebarften Hunde. (dazu gehören unsere Hunde nicht). Ich halte auch fest:
Dennoch birgt eine Verunreinigung von Viehfutter durch Hundekot für Rinder große Gefahren. Insbesondere Hochleistungskühe seien betroffen, so Sander. Eine Magenverstimmung durch Hundekot löse beim Rind schwere Stoffwechselstörungen aus, die teilweise zum Tod des Tieres führen könnten
Das ist zu bedenken, jedoch ganz bestimmt nicht im speziellen Fall. Oder ist eine Biokuh eine Hochleistungskuh? Wir wollen doch mal nicht hoffen, wir wollen ja glücklichmachende Milch von glücklichen Kühen, wenn wir Bio wollen.
Interessant, dass sich hier auch andere Hundebesitzer mit ähnlichen Problemen äußern:
Hundebesitzer berichteten wiederum, dass sie in der Vergangenheit teilweise von Landwirten in einem sehr rauen Ton, der bis zur Beleidigung reichte, angesprochen worden seien.
Das ganze wird gestützt durch eine weitere Fundstelle im Internet. Ebenfalls eine Veterinärmedizinerin äußert sich hier zu einer Studie, das unter Mitwirkung eines Instituts, einer Einrichtung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie gleichzeitig Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit:
Damit auch nur ein geringes Risiko bestehe, dass ein Abort bei einem Rind einer bestimmten Herde auftrete, müssten nicht weniger als 87 Hunde an allen 210 Tagen der allgemeinen Vegetationsperiode ihre gesamten Häufchen auf einer einzigen Wiese hinterlassen. Das sei eine unrealistische Annahme. Noch unrealistischer ist es für die Licher Tierärztin, dass dann auch noch das gesamte Grünfutter von dieser Wiese an eine Rinderherde verfüttert werden müsste. Sehr viel wahrscheinlicher sei es, dass Infektionen mit dem Erreger durch den Hofhund eines Bauern, der beispielsweise die Nachgeburt eines Rindes fresse, verursacht würden.
Ich glaube, damit ist doch eigentlich das Wesentliche gesagt.
Die zitierte Dame meint übrigens außerdem (soweit an angegebener Stelle zitiert), es sei Demagogie,
Hunde und deren Halter als einzige in einem komplexen Ökosystem als Übeltäter zu brandmarken.
Habt Ihr auch schon solche Erfahrungen gemacht?
Ich dachte eigentlich, sowohl der Landwirt als auch der Hundehalter gehören zur Spezies der tierlieben Leute!?

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Kommentar von Emils Frauchen | 12.11.2008
Hier sind die Bauern auch so "nett". Obwohl es hier weder Kühe noch große Futterwiesen gibt. Diskussionen sind völlig sinnlos, das Feinbild Hundehalter ist tief eingebrannt.
Wir haben das hier den Hundehaltern zu verdanken, die die Bälle ihrer Hunde immer wieder absichtlich in den frisch gekeimten Acker werfen oder es lustig finden, wenn ihr Hund Agility im erntefähigen Spargelacker betreibt. Der Gemüse Bauer ist besonders übel drauf, weil die Hunde ihm in die Salatköpfe kacken.
Die Folgen davon dürfen hier dann alle Hundehalter ausbaden.
Kommentar von Hoshi | 12.11.2008
Wir wissen schon, warum wir in der Stadt bleiben, mit endlosen Wiesen, die im Dunkeln beleuchtet sind und einem grossen Fluss und wo man täglich viele nette Hunde trifft. :-)

Im Ernst, Hunde in der Stadt werden ja so ofr bedauert, aber ich sage euch, ich lebe im reinsten Paradies!

Wüffchen
Hoshi
Kommentar von Emil | 13.11.2008
Kommt aber auch etwas auf die Stadt an. In unserer nächsten Stadt ist absoluter Leinenzwang in allen Grünanlagen. Als Strafe droht mindestens 50 Euro. Das tolle Auslaufgebiet wurde ersatzlos gestrichen. Da macht es garantiert keinen Spaß Hund zu sein.
Wuff
Emil
Kommentar von Hoshi | 13.11.2008
Dresden ist eine der 3 grünsten Städte Deutschlands und ausser in einem kleinen City-Bereich können die Hunde überall frei laufen, auf endlosen Elbwiesen, in der Dresdner Heide, ....

Wüffchen
Hoshi
Kommentar von Indigo | 17.11.2008
Boh... was für Glück wir doch haben.
Hier kennen sich fast alle beim Namen.Bauern und Gemeines Folk.
Unser Carlchen hat sogar seine heissgeliebten Runkel Rüben ( rote Rüben=Futter Rüben ) mit dem Trecker ins Haus geliefert bekommen.
Wenn cih mit Frauchen gehe und wir einen Bauern treffen, schnacken wir immer erst mal zusammen.Wenn nicht gerade frisch ausgesäht ist, darf ich ruhig über die Felder bürsten.
Mit den Jägern bei uns ist es genauso.
Frauchen und Herrchen wollen nie, aber auch
nie weg von hier.
Herrchen hat lange genug in Stuttgart gelebt, nieee wieder.
Dorfkind Indi
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